Mit 2025 blicken wir auf ein Jahr, das uns sowohl gefordert als auch bereichert hat. In unserer vierteiligen Advents-Serie geben wir Einblicke in die Erfahrungen, die wir gesammelt haben, und die Erkenntnisse, die wir mit ins neue Jahr nehmen werden. Den Anfang macht das Team Wärme, Quartiere und Energiedienstleistungen.
Das Jahr 2025 stand für das Team rund um Managerin Bianca Lehmann ganz im Zeichen einer Leitfrage: Wie gelingt der schnelle Ausbau erneuerbarer, leitungsgebundener Wärmeversorgung – und wie bleibt sie gleichzeitig bezahlbar?
Die Rahmenbedingungen waren und sind weiterhin herausfordernd: komplexe Fördersystematiken aus der BEW und der BEG, weiterhin uneindeutige regulative Vorgaben für Preisgleitformeln und die Einhaltung der Warmmietenneutralität, ambitionierte Dekarbonisierungsziele sowie gleichzeitig klare Erwartungen der Endkund:innen an Preise und Transparenz. Innerhalb dieses Spannungsfelds haben drei Themenstränge unsere Projektarbeit in diesem Jahr geprägt.
1. Untersuchung von Nahwärmepotenzialgebieten: Erneuerbare Versorgung im Bestand
Ganz nach dem Leitsatz: „KWP und was nun?“ beschäftigten wir uns intensiv mit der Untersuchung der technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit von neuen Nahwärmenetzen in ausgewiesenen Potenzialgebieten der kommunalen Wärmplanung. Denn die Ausweisung neuer Wärmenetze basiert oft auf pauschalen Kennwerten – ohne zu prüfen, ob eine marktfähige Umsetzung möglich ist.
Mit unserem Quick-Check Machbarkeit neue Netze gehen wir einen Schritt weiter: Wir analysieren die lokalen Gegebenheiten im Detail – von Gebäudestrukturen und Wärmebedarfen bis hin zu den Potenzialen erneuerbarer Energiequellen wie Geothermie, Abwasser- oder Flussthermie, Biomasse und Luft-Wasser-Wärmepumpen. Am Ende leiten wir eine Priorisierung der ausgewiesenen Potenzialgebiete der KWP ab.
Um diese Analyse effizient und belastbar zu gestalten, haben wir ein eigenes Tool für die technische Erhärtung und Dimensionierung der EE-Potentiale zu geeigneten Erzeugertechnologien entwickelt. Es ermittelt stündliche Erzeugungsprofile sowie Investitionen und Betriebskosten auf Knopfdruck. Ergänzend simulieren wir Wärmemischpreise und vergleichen Hochtemperatur- und Niedertemperaturnetze sowie dezentrale Lösungen mit unserem QuartierSimulationsModell QuaSiMo.
Die Ergebnisse sind eindeutig: HT-Netze mit bis zu 75 °C sind in Bestandsquartieren häufig robuster als NT-Konzepte. Entscheidend für die markfähige Wärmebereitstellung sind hohe Anschlussquoten und Wärmedichten innerhalb des zu untersuchenden Gebiets. Eine wechselseitige Abhängigkeit, die nur durch gezielten Vertrieb möglich ist.
Unser Mehrwert: Wir liefern belastbare Entscheidungsgrundlagen und bereiten die Erstellung einer konkreten BEW-Machbarkeitsstudie vor. So bringen wir Planung und Realität zusammen – und schaffen Klarheit für die nächsten Schritte.
Ihr Ansprechpartner: Marcel Kröber-Unseld
2. Transformationspläne & Machbarkeitsstudien nach BEW
Die Wärmewende ist in vollem Gange – und die Anforderungen an Fernwärmeversorger steigen. 2025 haben wir deutschlandweit zahlreiche Transformationspläne und Machbarkeitsstudien nach der BEW begleitet. Im Zentrum standen dabei entscheidende Fragen:
- Welche Erzeugungspfade sind bis 2045 realistisch?
- Wie spielen erneuerbare Quellen zusammen?
- Welche Strategie ist für Netzverdichtung und -ausbau sinnvoll?
Auffällig war der neue Drang, mit dem viele Versorger die Transformation ihrer Erzeugerparks angehen. Nach dem Fokus auf industrieller Abwärme in 2024 standen dieses Jahr Konzepte mit Klär- und Abwasserwärme, CCS-Anforderungen an Müllverbrennungs-Abwärme und verschiedene Varianten der Geothermie im Vordergrund.
Für die Entwicklung tragfähiger Strategien setzen wir auf unsere digitalen Modelle simergy und QuaSiMo. Sie ermöglichen es, Netze, Erzeuger und Verbraucher präzise abzustimmen und realistische Transformationspfade sowie konkrete Maßnahmenpläne abzuleiten.
Unser Mehrwert: Wir liefern belastbare Wärmenetzkonzepte, die auf Robustheit geprüft, an die örtlichen Gegebenheiten angepasst und BEW-konform aufbereitet sind.
Ansprechpartner: Bianca Lehmann
3. Fernwärmepreise & Preisänderungsklauseln: Einbettung der Transformationsprozesse in die Preissysteme
Die Wärmewende verändert nicht nur Netze und Erzeugung – sie verändert auch die Preise. 2025 haben wir zahlreiche Projekte zur Neubewertung und Aktualisierung von Wärmepreissystemen begleitet. Der Grund: Unsere Kunden stehen vor hohen Investitionen in Infrastruktur und Erzeugung, um die Dekarbonisierung voranzutreiben. Doch wie spiegelt sich das in einem fairen und zukunftsfähigen Wärmepreis wider?
Die rechtliche Grundlage liefert §24 der AVBFernwärmeV:
„Preisänderungsklauseln dürfen nur so ausgestaltet sein, daß sie sowohl die Kostenentwicklung bei Erzeugung und Bereitstellung der Fernwärme durch das Unternehmen als auch die jeweiligen Verhältnisse auf dem Wärmemarkt angemessen berücksichtigen. Sie müssen die maßgeblichen Berechnungsfaktoren vollständig und in allgemein verständlicher Form ausweisen. […]“
Doch die wenigen Sätze lassen viel Interpretationsspielraum – und machen die Gestaltung komplex. Häufig reicht es nicht, bestehende Indizes anzupassen. Denn der Wärmepreis ist vielschichtiger:
- Welchen Einfluss haben Stromerlöse auf den Wärmepreis?
- Wie berechne ich einen geeigneten Emissionspreis? Welchen Emissionsfaktor nutze ich dafür?
- Welche Kosten allokiere ich im Grund-, welche im Arbeitspreis und wie wurde damit in der Vergangenheit umgegangen?
Und über allem steht die zentrale Frage: Wie viel Rendite ist zulässig – und wie viel akzeptieren die Kund:innen? Hohe Investitionen müssen sich rechnen, aber die Fernwärme bleibt im Wettbewerb mit anderen Technologien. Die Zahlungsbereitschaft des einzelnen Kunden wird über Wohl und Wehe des Fernwärmeversorgers entscheiden.
Wir betrachten Wärme ganzheitlich – von der Erzeugung über die Verteilung bis zur Abrechnung. Mit einem strukturierten Vorgehen und fundierten Analysen entwickeln wir Preissysteme, die regulatorische Anforderungen erfüllen und gleichzeitig die Zukunft des Geschäftsfelds Fernwärme sichern.
Unser Mehrwert: Transparente, rechtssichere und marktfähige Wärmepreise, die Investitionen absichern und Kundenzufriedenheit erhalten.
Ansprechpartner: Johannes Predel